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„Unser Ziel ist es, Vorurteile abzubauen“

Dialog, Diskussion, Austausch - Das Café Abraham lebt von der Vielfalt

... und der Spaß kommt auch nicht zu kurz.

Die besten Gespräche entstehen immer noch bei einer Tasse Kaffee unter Freunden. Das haben sich auch die Begründerinnen und Begründer des Café Abraham gedacht und darauf aufbauend ihr Angebot für ungezwungene Gespräche zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften entwickelt. Mitbegründerin Burcu Sargın erklärt im Interview, wie Menschen jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens zusammenkommen und gemeinsam ein Zeichen für demokratischen Diskurs und gegen Vorurteile und Intoleranz setzen.


Frau Sargın, was ist das Café Abraham und mit welchem Ziel wurde es ins Leben gerufen?
Das Café Abraham ist ein Trialog-Projekt der drei sogenannten abrahamitischen Religionen. Das heißt, jede Woche treffen sich Vertreterinnen und Vertreter von Islam, Judentum und Christentum in einem Café oder Teehaus, um über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu reden. Unser Ziel ist es, auf diese Weise einen Austausch zu ermöglichen, Vorurteile abzubauen und Toleranz zu fördern. Die Idee kam 2014 bei einem Treffen der Muslimischen Studierendengemeinde in Erlangen auf. Inzwischen gibt es unter anderem Ableger in Köln, München, Heidelberg und in anderen Städten.


Wer ist zu den Treffen eingeladen?
Grundsätzlich alle. Zwar richtet sich unser Angebot in besonderem Maße an Gläubige der drei abrahamitischen Religionen, aber auch Atheisten und Andersgläubige sind bei uns herzlich willkommen. Es muss auch niemand Angst haben, kritische Fragen zu stellen. Unser Markenzeichen ist, dass man in seinem Denken ganz frei sein kann. Die Teilnehmenden müssen auch kein Vorwissen über Religionen haben. Denn meistens ist eine „Expertin“ oder ein „Experte“ mit religionswissenschaftlichem Hintergrund eingeladen, um zusätzlichen Input zu geben.


Hört man sich überhaupt gegenseitig zu, wenn jeder an etwas anderes glaubt? Wie geht ihr mit Konflikten um?
Wir stellen von vornherein klar: Wer sich nicht an die Gesprächsregeln hält, wird ausgeschlossen. Rassismus und Beleidigungen haben bei uns keinen Platz. Pro Lesezirkel gibt es eine Person, die das Treffen organisiert und dann auch dementsprechend moderiert. Bislang verläuft der Dialog aber sehr harmonisch.


Wie kann interreligiöser Dialog dabei helfen, die Demokratie zu stärken?
Der Austausch zwischen den Gläubigen verschiedener Konfessionen ist sehr wichtig, weil allein schon das Gläubigsein an sich ja etwas ist, das uns verbindet. Hier haben wir alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Zum Beispiel nach fundamentalistischen Anschlägen, wenn die Stimmung in der Gesellschaft wieder hochkocht. Darum wollen wir unseren Glauben besser verständlich machen und dabei so viele Menschen wie möglich erreichen. Wir wollen zeigen, dass wir zusammenstehen und – allen Unterschieden zum Trotz – gemeinsam ein Zeichen für Vielfalt und Demokratie setzen. In Deutschland leben viele unterschiedliche Gruppen, die zum Teil nur sporadisch miteinander in Kontakt kommen. Da herrschen sehr viele Vorurteile. Manchmal reicht eine Handvoll Leute aus, um diese aufzubrechen.


Vor 500 Jahren hat mit der Reformation ein wichtiger gesellschaftlicher Wandel begonnen. Sprecht ihr auch über dieses Thema?
Das ist tatsächlich ein sehr interessantes Thema für unsere Gesprächskreise. Man könnte in diesem Zusammenhang auch auf die anderen Religionen eingehen und zum Beispiel fragen, ob es im Islam eine Art Reformation gab oder noch geben wird. Im Zuge des Jubiläums werden diese Themen sicherlich noch einmal eingehender besprochen. Wir greifen oft aktuelle Themen auf und freuen uns, dass in diesem Jahr das Jubiläum gefeiert wird.

Das Café Abraham informiert auf seiner Webseite sowie auf den Facebook-Seiten der lokalen Ableger über aktuelle Termine und Neuigkeiten.