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„In der Jugend tut sich richtig was“

Das würde Nelson Mandela gefallen: Ein junger Südafrikaner erklärt, wie wichtig Jugendarbeit ist

Ich bin Tyrone Basson aus Kapstadt, Südafrika. Aufgewachsen bin ich in einem Vorort mit 20.000 Einwohnern. Ich habe Jura studiert, ohne den Abschluss zu machen. Ich will dazu beitragen, dass sich die Gesellschaft verbessert. Im Studium dachte ich, das gelingt mir als Anwalt am besten. Inzwischen denke ich anders.

Ein Schlüsselereignis, das zu diesem Sinneswandel geführt hat, gibt es nicht. Es waren viele Eindrücke der vergangenen Jahre. Ich habe einen Freiwilligendienst in einem Jugenderholungszentrum im Harz gemacht und mich erinnert, wie ich in Südafrika früher an Jugendbegegnungen teilnahm. Das war schön, trotzdem habe ich nie darüber nachgedacht, wie Jugendarbeit wirkt. Dass sie wirkt! Dafür muss man älter sein, um das zu merken. Hätte ich heute noch einmal die Wahl, würde ich beruflich in die Jugendbildungsarbeit gehen. In der Jugend tut sich richtig was.

Wenn ich eine Weile unterwegs war, bin ich noch lieber nach Kapstadt zurückgekehrt. Weil mir jedes Mal stärker bewusst wurde, dass sich auch da viel tut. Wir sagen, in Kapstadt entsteht die Zukunft Südafrikas. Südafrikaner sind sehr stolz auf ihr Land. In den vergangenen Jahren verbesserte sich dort vor allem die Infrastruktur, das Busnetz wurde ausgebaut, es entstanden neue Jobs. Die Fußballweltmeisterschaft 2010 hat die Entwicklung beschleunigt.

Was sich noch steigern muss, ist der Bereich Ausbildung. Dass junge Südafrikaner Praktika machen können, um einen Beruf kennenzulernen, gibt es bei uns ganz selten. Deutschland ist da klasse aufgestellt!

Dass die Struktur und der Wert von Ausbildung Ergebnisse der Reformation waren, finde ich sehr interessant, zu erfahren. Überhaupt interessiert mich das Thema. Und Luther. Ich finde, er lässt sich mit Nelson Mandela vergleichen. Beide haben ihr Land vorangebracht, aber beide haben auch Fehler gemacht mit dem, was sie sagten oder taten. Niemand ist perfekt.

Ich finde ein Vorbild glaubwürdiger, wenn man sich auch kritisch damit auseinandersetzen kann.

Ich bin Afrikaans. In meiner Heimat zähle ich zu den Farbigen. Es gibt uns, Weiße und  Schwarze. Das ist die Einteilung aus der Zeit der Apartheid, an die ich sonst keine bewusste Erinnerung habe. Bis die Kategorien aus den Köpfen der Menschen verschwinden, wird es noch dauern. Dazu fallen mir zwei Beispiele ein: Wenn ich in einer Behörde ein Formular ausfülle, muss ich immer ankreuzen, ob ich ich farbig, schwarz oder weiß bin. Ich finde außerdem, dass sich die Bevölkerung Kapstadts erst allmählich mischt. Mein Viertel ist ein Farbigenviertel. Die Townships sind immer noch weitestgehend schwarz, das hat mit der Einkommenssituation zu tun, aber auch damit, wie sie gewachsen sind. Erst in der 5. Klasse begegnete mir zum ersten Mal ein schwarzer Schüler an meiner Schule.

Wenn Sie mehr zum Thema Jugend und Reformationsjubiläum erfahren wollen, dann schauen Sie sich doch mal die Homepage Mensch, Martin an.

Textnachweis: Tanja Kasischke