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Gemeinsam gegen Rassismus bei "Schule mit Courage/Schule ohne Rassismus"

Jonas Pawelski, Initiator des Projekts „Schule mit Courage/Schule ohne Rassismus“ in Sömmerda über Beteiligung von Jugendlichen.

Jonas Pawelski nimmt als Referent am Forum „Beteiligung“ des Demokratiekongresses teil.

Was hat Sie motiviert, vor drei Jahren als Schüler das Projekt „Schule mit Courage/Schule ohne Rassismus“ ins Leben zu rufen?

Ich habe das erste Mal von dem Projekt „Schule mit Courage/Schule ohne Rassismus“ bei einem Workshop in Weimar gehört. Ich war von der Idee sofort begeistert aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an meiner Schule einzutreten. In meinem Umfeld und in der Schule ist es leider zu einigen fremdenfeindlichen Äußerungen gekommen, weshalb ich dringenden Handlungsbedarf sah und schlussendlich das Projekt bei uns in Sömmerda ins Leben rief. Um eine Schule ohne Rassismus zu werden, müssen 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Antrag unterschreiben. In unserer Schule herrschte sehr viel Zuspruch für das Projekt, weshalb schlussendlich fast 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler unterschrieben.

Welche Erfahrungen haben Sie als Schüler mit Rassismus gemacht?

In meinem privaten Umfeld gab es leider immer mal wieder verbale Vorfälle. Ich bekam leider Sprüche wie „die Ausländer nehmen uns die Jobs weg“ und andere fremdenfeindliche Parolen zu Ohren. Da wurde mir vor allem klar, dass bei den meisten einfach ein Informations- und  Aufklärungsbedarf existiert. Ich wollte somit über Stereotypen und Vorurteile aufklären und dadurch solche Aussagen entkräften.

Ein weiterer Vorfall der dazu geführt hat, dass unser Projekt vor allem so viel Zuspruch in der Schule erhielt, war ein Vorfall in unserer Schule. Ein weißer Schüler hat eine dunkelhäutige Schülerin rassistisch beleidigt. Eine sehr engagierte Lehrerin hat davon erfahren und diesen Vorfall offen mit Schülerinnen und Schülern besprochen und diskutiert. Auch hier wurde mir schnell klar, dass viel Aufklärungsarbeit nötig ist.

Wie sieht die "Schule ohne Rassismus" in der Praxis aus?

Ziel von „Schule mit Courage/ Schule ohne Rassismus“ ist, regelmäßige Projekte durchzuführen und einen Projekttag zu veranstalten rund um das Thema Toleranz und Vielfalt. Bei unserem Projekttag haben wir mit der Künstlergruppe „Instant Arts“ zusammengearbeitet. Die Künstlergruppe zelebriert allein durch ihr Auftreten multikulturelle Vielfalt und Toleranz. Zusammen haben wir einen Workshoptag veranstaltet bei dem Gedichte, Beiträge für einen Poetry Slam oder Musikstücke erarbeitet wurden. Thematisch standen Vielfalt, Courage und Toleranz im Mittelpunkt. Im Anschluss wurden die erarbeiteten Beiträge vor der gesamten Schülerschaft aufgeführt.

Was können andere von dem Projekt lernen?

Bei uns stand das Thema Beteiligung im Mittelpunkt. Alle Schülerinnen und Schüler konnten an dem Projekt mitgestalten, ihre Ideen verwirklichen und auch ihre Meinungen äußern. Alle waren an dem Projekt beteiligt. Es war in unserem Fall keine Lehrersache sondern eine Schülersache und das war schlussendlich auch ein Erfolgsgarant für unser Projekt.

Wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zu motivieren, sich an dem Projekt zu beteiligen?

Das Thema Rassismus war bereits vielen aus dem Unterricht bekannt, und auch die vermeintliche Geflüchtetenkrise gab vielen Schülerinnen und Schülern Anlass gegen jegliche Form von Diskriminierung an ihrer Schule einzutreten. Aber auch der bereits erwähnte Vorfall in unserer Schule motivierte die Schülerschaft, ein Zeichen gegen Rassismus und für Toleranz zu setzen und aus unserer Schule eine Schule ohne Rassismus zu machen.