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Fachtagung: „Familie von morgen. Neue Werte für die Familie(npolitik)“

Die Fachtagung „Familie von morgen. Neue Werte für die Familie(npolitik)“ ist eines von mehreren Projekten, die anlässlich des Reformationsjubiläums vom BMFSFJ gefördert werden. Die Projekte und Initiativen sollen eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Im Interview erläutern Dr. Carolin Küppers von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) und PD. Dr. Eva Harasta von der Evangelischen Akademie zu Berlin die Hintergründe der Fachtagung „Familie von morgen. Neue Werte für die Familie(npolitik)“. In der Fachtagung soll die heute gelebte Vielfalt von Familienformen identifiziert werden und gleichzeitig mögliche Diskriminierungen aufgearbeitet werden.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten die Fachtagung während einer Fahrstuhlfahrt vorstellen. Wie würden Sie die wesentlichen Inhalte der Tagung in der Kürze beschreiben?

Familie wird heute in einer Vielfalt von Formen gelebt. Die Vielfalt gelebter Familienformen wirkt befreiend, aber auch unübersichtlich – und sie wird auch als möglicher Ausgangspunkt von Konflikten wahrgenommen. So stellt sich unter den Bedingungen der heutigen weltanschaulich, kulturell und religiös pluralen Gesellschaft die Frage nach der ethischen Orientierung von Familienpolitik besonders dringlich. Die Tagung soll Wege finden, die der aktuellen gelebten Familienvielfalt angemessen sind. Dafür wenden wir uns von Leitbilddenken ab und gehen vielmehr auf Kriterien für gute Beziehungen in Familie ein.

Welches Ziel verfolgt die Tagung und an wen richten Sie sich dabei?

Das Ziel der Tagung ist es, die Vielfalt der heute in der Bundesrepublik Deutschland gelebten Familienformen wahrzunehmen und zu identifizieren. Des Weiteren wollen wir Diskriminierung und Unterdrückung von Familienformen aufarbeiten, um somit von der Fixierung auf die Ehe als institutionelle Grundlage loszukommen. Unsere Tagung richtet sich an Menschen aus der Familienpolitik, aber auch kirchliche Fachbeauftragte, SozialarbeiterInnen und VertreterInnen aus den Geistes-, Sozial- und Religionswissenschaften werden auf der Fachtagung vertreten sein.

In diesen Tagen beginnt das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren hat damit ein wichtiger Wandel begonnen, der weit über die Kirchen hinausreicht. Wie wird dieser Anlass in der Tagung aufgegriffen?

Die Pluralisierung der Familienbilder und die Kontroversen darum, was „ein gutes Familienleben“ meint, sind Ergebnis und Teil längerer Prozesse – die bereits mit der Reformation angestoßen wurden. Die rechtliche Gestalt, die gesellschaftlichen Einstellungen und die ethische Urteilsbildung in Bezug auf Familie wurden lange Zeit durch kirchliche und theologische Positionen geprägt. Auch heute ist die religiöse Dynamik noch zentraler Teil des Wertediskurses in Bezug auf Familie. Ein vielfältiges Familienbild gehört vor allem in der jetzigen Zeit zu einer weltanschaulichen, religiösen und kulturell pluralen Gesellschaft dazu.

Welche Impulse der Reformation sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig für eine gelebte Demokratie?

Das reformatorische Ehe- und Familienverständnis stellt einen wichtigen Faktor für die Entstehung der heutigen Vielfalt von Familienformen dar. Und wie wir heute noch sehen können, sind aktuelle Diskurse über „Familie“ durch gesellschaftliche, kulturelle und geschichtliche, aber auch durch religiöse Faktoren geprägt. Die Reformation betonte des Weiteren, dass die Würde jedes einzelnen Menschen unabhängig von Taten, Fähigkeiten oder Erfolg ist. Dies stärkt und trägt den Einsatz für den Gleichheitsgrundsatz, also gegen Diskriminierung und für Achtung von Vielfalt im Zusammenleben. Aber auch Bildung, freie Verantwortung und die Trennung zwischen Weltlichem und Göttlichem waren wichtige Impulse die aus der Reformation hervorgingen.