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Ein Titel, der etwas wert ist

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Maghrebi in seinem Element. Foto: Matias Sauter Morera

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Maghrebi vor dem Fernseherturm in Berlin. Foto: Matias Sauter Morera

„Die Werte der Reformation gehören allen, nicht nur den Christen”, antwortet Anas Maghrebi auf die Frage, wie er mit dem Jubiläum 2017 in Berührung gekommen ist. Ein Freund habe ihn eingeladen, erzählt der 26-Jährige aus Damaskus, ihm ging es hauptsächlich um die Musik. Anas ist Musiker. Anas ist Syrer, auch das macht ihn zu einem spannenden Gesprächspartner. Er ist – als Muslim – dabei, das Reformationsjubiläum mitzugestalten.

Der Titel, den Anas an diesem Abend singt, heißt Words for Adam’s offspring, übersetzt etwa: Worte, gerichtet an Adams Nachkommen. Einbezogen sind alle, es ist ein universaler Song für einen universalen Anlass, die Reformation. Ein Titel, der was wert ist. Im Text geht es darum, das die Menschen gemeinsam am weitesten kommen, indem sie sich begegnen und ihre Talente einbringen. Anas Maghrebi verwendet dafür den Ausdruck „colours“, Farben, die eine bunte Welt schaffen. „Wenn“, schränkt der Musiker ein, „wir nicht immer darauf warten, dass andere den ersten Schritt tun.” Sondern selbst losgehen. Das passt zu Kampagne #Reformationssommer2017, zu deren Eröffnung der syrische Musiker auftritt. Eine ihrer Leitfragen lautet: „Verändert die Welt uns oder verändern wir die Welt?”

Als Reformer, Veränderer, will Anas nicht angesprochen werden. Er äußert sich behutsam, auch über Martin Luther, „über den ich gelesen habe, aber nicht so viele Details weiß”, und verweist immer wieder darauf, dass seine Musik nicht nur sein Werk ist, sondern das seiner Band, Khebez Dawle. Die Frage, seit wann er in Berlin lebt, beantwortet er sehr knapp mit „seit einem Jahr”. Dass er zuerst als Musiker wahrgenommen wird, nicht als Flüchtling, tut ihm spürbar gut. Er möchte kein Risiko eingehen, dass die Rede zu sehr auf die Situation seines Landes und seines Volkes zu sprechen kommt. Vor dem Auftritt sagt er dann doch:

„Ich wünsche mir Frieden. Frieden für Deutschland, wo ich lebe, und Frieden für Syrien, wo ich herkomme.”

Die Werte, die der Prozess der Reformation hervorgebracht hat, können zu diesem Frieden beitragen, meint der junge Mann. Den Gedanken an die Mündigkeit des Menschen, an Bildung und an die Achtung anderer, bringt auch sein Song über Adams Nachkommen zum Ausdruck: „Wir warten auf den Moment, der alles, was uns bewegt, zusammenbringt”, heißt es darin, „dann entsteht Menschlichkeit. Wir müssen nur aufeinander zugehen.” Wie Anas Maghrebi das vorträgt, klingt es leicht.

Anas Maghrebi und seine Band Khebez Dawle im Studio in Beirut, 2014.

Wenn Sie mehr zum dem Thema Jugend und Reformationsjubiläum erfahren wollen, dann schauen Sie sich doch mal die Homepage Mensch, Martin an.

Textnachweis: Tanja Kasischke