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Ein bisschen Woodstock im Französischen Dom – Der BuJazzO-Gitarrist Philipp Schiepek im Interview

Musikalisches Highlight und Abschluss des Demokratiekongresses war die Uraufführung neu vertonter Luther-Choräle durch das BundesJazzOrchester (BuJazzO) unter Leitung von Michael Villmow. Eine besondere Rolle nahm hierbei der Gitarrist Philipp Schiepek ein. Ganz in Manier des Gitarrenvirtuosen Jimi Hendrix spielte Schiepek eine Version des Luther-Chorals „Ein feste Burg“. Im Interview spricht der junge Gitarrist über die Beziehung zwischen Luther und Hendrix und die Gruppendynamik des BuJazzO.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie davon hörten, dass Sie Luther-Choräle spielen werden?

Das Projekt klang von Anfang an sehr spannend. Wir sind ja eine klassische BigBand, die Luther-Choräle stehen deutlich im Kontrast zu den anderen Stücken. Da hörte sich die Nachricht, dass wir die Luther-Choräle spielen, zunächst für das ganze Orchester sehr überraschend an. Als wir allerdings die Noten vom Komponisten Michael Villmow erhalten haben, konnten wir alle erkennen, in welche Richtung wir bei dem Projekt gehen werden.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass bei diesem Stück die hohe Gewichtung auf der Gitarre lag. Bei „Verley uns Frieden“ legt der Komponist einen erheblichen Schwerpunkt auf die Gitarre und die Soundvielfalt, die das Instrument bietet.

Sie spielten in der Uraufführung eine prominente Rolle, da Sie den Luther-Choral „Ein feste Burg“ in Anlehnung an die bekannte Interpretation der amerikanischen Nationalhymne durch  Jimi Hendrix spielten. Welche Verbindungen sehen Sie zwischen dem revolutionären Sound von Hendrix und den Luther-Chorälen?

Jimi Hendrix wollte mit seiner Interpretation der amerikanischen Nationalhymne beim Woodstock-Festival 1969 ein Zeichen setzten, das dann später in die weite Welt getragen wurde. Bei Luther war es nicht anders. Mit seinem Thesenanschlag sendete auch er ein Signal aus, das schlussendlich die ganze Welt in Aufruhr versetzt und verändert hat.

Für mich war das Solo natürlich eine attraktive Herausforderung, denn für viele ist Jimi Hendrix ja einer der besten Gitarristen, den es je gegeben hat. Ich selbst habe nie viel Hendrix gehört, weshalb ich mich zur Vorbereitung viel  mit ihm befasst habe, damit mir der charakteristische Hendrix-Sound auch gelingt. Die Gitarre habe ich während des Konzerts gewechselt, um mit dem Tremolo auch nach Hendrix zu klingen. Im Stück selbst hatte ich allerdings viele Freiräume zur Improvisation. In den Noten stand nur „burn your guitar“ („verbrenne deine Gitarre“), was natürlich eine klare Referenz an Hendrix war, der bei einem Konzert ja seine Gitarre verbrannte und somit total neue Klangwelten erzeugte. Und genau diesen Zerstörungssound wollte ich auch schaffen.

Der Demokratiekongress, bei dem Sie mit dem BuJazzO den fulminanten Schlussakkord setzten, suchte Antworten auf die Frage „Was hält Deutschland zusammen?“ Was hält denn ein Orchester in der Größe des BuJazzO zusammen?

Das ganze BuJazzO ist natürliche eine große Gruppe. Jeder Musiker und jede Musikerin hat einen eigenen und berechtigten Platz im Orchester. Aber wie in unserer Gesellschaft gibt es auch einzelne Untergruppen, die zusammen proben und arbeiten. Trotzdem kennen wir uns alle und arbeiten auch gemeinsam an den Projekten.

Obwohl wir eine große Gruppe sind, spielt auch der einzelne eine tragende Rolle. Deshalb muss sich jeder und jede gut vorbereiten und jeder einzelne muss auch eine gewisse Disziplin mitbringen. Die gemeinsame Probe für „Verley uns Frieden“ dauerte eine Woche, was natürlich sehr anstrengend und zäh sein kann und viel Aufmerksamkeit fordert. Dafür ist das Gefühl nach einer so gelungenen Uraufführung umso besser und zeigt uns allen, wie sehr sich die harte Arbeit gelohnt hat. Jetzt freuen wir uns alle auf die Folgekonzerte in Berlin, Weimar und Wittenberg.

Deutschlandradio Kultur überträgt am 18.4.2017 um 20.03 Uhr den Auftritt des Bundesjazzorchesters in der Sendung "Das Konzert".