Kinder & Jugendliche

Internationales Jugendcamp beim Reformationssommer in Wittenberg

Das Internationale Jugendcamp beim Reformationssommer in Wittenberg ist eines von mehreren Projekten, die anlässlich des Reformationsjubiläums vom BMFSFJ gefördert werden. Die Projekte und Initiativen sollen eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Im Interview erklärt Mike Corsa, wie sich durch das Jugendcamp junge Menschen aus aller Welt über Teilhabe, Glauben und eine gerechte Gesellschaft austauschen.

Wie würden Sie die Hauptaufgaben des Jugendcamps in der Kürze beschreiben?

Das Jugendcamp beim Reformationssommer soll junge Menschen aus aller Welt zusammenbringen. Es werden sich Partnerschaftsgruppen beteiligen, die zum Kreis der vom BMFSFJ geförderten Träger der internationalen Jugendarbeit gehören. Diese Förderung ist ein wichtiger Bestandteil der Jugendpolitik des BMFSFJ. Wir verfolgen dabei die Frage, wie die Grundlagen der Reformation helfen können, heute eine gerechte Gesellschaft zu schaffen und das gesellschaftliche Geschehen wirkungsvoll mitbestimmen zu können.

Welches Ziel verfolgt das Jugendcamp und an wen richtet es sich dabei?

Wir laden Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren aus der ganzen Welt ein. Diese jungen Menschen können sich gegenseitig über ihre Lebenswelten und Vorstellungen austauschen und sich gemeinsam folgende Fragen stellen: Wie sieht heute „gutes Leben“ für allen Menschen aus, das wir gemeinsam anstreben? Wie können alle Menschen der Erde an den Ressourcen beteiligt werden und welche Bedeutung hat dabei eine demokratische Lebensweise? Die Frage nach Demokratie wird sicher im Mittelpunkt stehen, denn die aktuellen Entwicklungen in demokratischen Ländern, aber auch die Tatsache, dass in den meisten Ländern der Welt keine Demokratie existiert, geben Anlass zu einer tiefgehenden Diskussion mit jungen Menschen über die Zukunft. Die Reformation und ihre Folgen sind dabei ein Bezugspunkt.

In diesen Tagen beginnt das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren hat damit ein wichtiger Wandel begonnen, der weit über die Kirchen hinausreicht. Bitte beschreiben Sie, wie dieser Anlass im Jugendcamp aufgegriffen wird.

Wir nutzen das Reformationsjubiläum, um mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Kontexten über notwendige persönliche, politische und gesellschaftliche Veränderungen zu beraten. Dabei sollen auch die Wege zu Veränderungen bedacht werden mit einer Vereinbarung, wie es nach dem Internationalen Jugendcamp im jeweiligen heimatlichen Kontext weitergehen kann. Wir wollen mit jungen Menschen entwickeln, wie sie ihr Leben reformatorisch gestalten können und Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen können.

Welche Impulse der Reformation sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig für eine gelebte Demokratie?

Das direkte Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist ein wichtiger Punkt, der Ausgangspunkt der Reformation war. Jeder Mensch ist von Gott geliebt, diese Liebe ist vorbehaltlos, sie muss nicht verdient werden. Dabei kommt jeder einzelne Mensch in den Blick, er/sie steht ohne Mittlerinstanz in direktem Kontakt zu Gott. Das war eine Revolution im ausgehenden Mittelalter und hat machtpolitische und ökonomische Systeme grundsätzlich in Frage gestellt. Und die zweite Botschaft ist: Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich zu informieren, um sich selbst ein Bild machen zu können. D.h. Transparenz und freien Zugang zu notwendigen Informationen. Damals war das die Bibel, die durch die Übersetzung und durch den Buchdruck der Macht von Priestern entrissen wurde – eine bleibende Herausforderung für den Umgang mit Informationen in modernen Gesellschaften.