Kinder & Jugendliche

Als Teil der Gesellschaft legen viele Kinder und Jugendliche Wert darauf, diese mitzugestalten. Sie wollen Einfluss nehmen; insbesondere in den Bereichen, die ihr eigenes Lebensumfeld betreffen. Die weltweit anerkannte Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen sichert ihnen dieses Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung zu. Von der Familie über die Kommune bis hin zu Entscheidungen des Bundes gibt es verschiedene Formen, um junge Menschen einzubeziehen. So können sie an der Weiterentwicklung der Demokratie mitwirken.

1524

Luther fordert Schulpflicht

Luther fordert: »An die Ratsherren aller Städte Deutschen Landes, das sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen «. Damit soll es jedem möglich sein, die Bibel zu lesen. Tatsächlich ist es allerdings nur wenigen Kindern möglich, eine Schule zu besuchen. In Deutschland wird die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Jungen erst 1919 verbindlich eingeführt.

Martin Luther

Spielende Kinder

Spielende Kinder

1560

In Pieter Bruegels Gemälde finden sich mehr als 250 Kinder, die rund 80 unterschiedliche Spiele spielen. Wenn man genau hinschaut, sieht man etwas für diese Zeit Typisches: Alle dargestellten Kinder sehen aus wie kleine Erwachsene. Erst 200 Jahre später beschrieb Rousseau (1712-1778) die Kindheit als bedeutende eigenständige Lebensphase.

1632/1762

Comenius und Rousseau als "Entdecker der Kindheit"

Eine erste differenzierte Abhandlung über die Entwicklungsphasen der Kindheit schreibt Johann Amos Comenius ( 1592-1670). In seinem pädagogischen Werk fordert er u.a. gleiche Bildungschancen für Mädchen und lehnt Gewalt und Zwang ab. Als eigentlicher »Entdecker der Kindheit« wird jedoch Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) mit seinem Werk "Emile" gesehen.

Bild aus »Émile« von Jean-Jacques Rousseau, 1822

1825

Kinderarbeit

Im 19. Jahrhundert ist Kinderarbeit nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Protest gibt es kaum: Die Familien benötigen entweder das Geld, das ihre Kinder in Fabriken erarbeiten oder ihre Arbeitskraft, um den eigenen Betrieb halten zu können. Arbeitgebern sind die billigen und schnellen Arbeitskräfte willkommen und den Behörden sind Kinder in den Fabriken lieber als auf der Straße.

Lohnauszahlung an Kinder in einer englischen Ziegelei. Holzstich, 1871

1853/1891

Gesetze beschränken Kinderarbeit

Ein erster, aus heutiger Sicht winziger Schritt in Richtung Jugendschutz wird 1853 gemacht: Ein Gesetz schränkt die Arbeitszeiten für Kinder ein – sie dürfen erst mit zehn Jahren arbeiten, drei Stunde Schule am Tag sind Pflicht. Ab 1891 verbietet das Arbeitsschutzgesetz Kindern unter 13 Jahren, in Fabriken zu arbeiten. Jugendliche zwischen 14 und 16 dürfen nur noch maximal zehn Stunden täglich arbeiten.

1840

Erster Kindergarten

Der Pädagoge Friedrich Wilhelm August Fröbel gründet den »Allgemeinen deutschen Kindergarten« in Blankenburg (im heutigen Thüringen) – es ist die erste Einrichtung dieser Art.

Wohlfahrtsmarke 1949, mit einem Portät von Friedrich Fröbel

1896

Wandervogel

In den Städten ist es eng und schmutzig, die Erziehung ist streng. Um beidem zu entkommen, gründet sich in Steglitz (heute Berlin) mit dem Wandervogel eine der ersten Jugendbewegungen. Schüler und Studenten zieht es in die Natur, sie versuchen, sich von althergebrachten Regeln und Idealen zu lösen.

Logo der Wandervögel

1919

Schulpflicht in der Weimarer Republik

Mit der Weimarer Verfassung wird Bildung für alle zugänglich: Sie schreibt eine allgemeine Schulpflicht vor; Schulgeld muss, zumindest für die Volksschule, keines mehr gezahlt werden. Die Verfassung geht auch auf das Kindeswohl ein: »Die Erziehung des Nachwuchses zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht.«

1946

Gründung UNICEF

Nach dem Zweiten Weltkrieg soll den Kindern in Europa, die vom Krieg betroffen sind, geholfen werden. Dazu wird UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gegründet. Heute arbeitet UNICEF insbesondere in Entwicklungsländern und hilft dort zum Beispiel in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Chancengleichheit und Kinderrechte.

DDR

FDJ und Jugendweihe

In der Freien Deutschen Jugend (FDJ) sollen die Jugendlichen in der DDR die Grundsätze des Sozialismus erlernen. 1971 waren 58 Prozent der Jugendlichen Mitglied, 1989 sogar 88 Prozent. Für jüngere Kinder ist die Pionierorganisation »Ernst Thälmann« Pflicht, die auf den Beitritt in die FDJ vorbereiten soll. Als Ersatz für die Konfirmation oder Kommunion wird 1954 die Jugendweihe eingeführt, bei der Jugendliche im Alter von 14 Jahren in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden.

Jugendliche der Freien Deutschen Jugend (FDJ)

Die erste BRAVO

Die erste BRAVO

1956

Die erste BRAVO erscheint am 26. August 1956 mit Marilyn Monroe und dem Schauspieler Richard Widmark auf dem Cover.

1950er bis 1970er Jahre

Jugendkulturen

Die Jugend rebelliert: Mit dem Rock’n’Roll, der in den 1950er Jahren aus den USA nach Westdeutschland kommt und als verrucht gilt, mit der Hippiebewegung oder dem Punk rebellieren Jugendliche gegen das Establishment und treiben ihre Eltern zur Verzweiflung.

Rudi Dutschke (Mitte) auf einer Demonstration gegen den Vietnam-Krieg

1959

Rechte der Kinder

1959 verabschieden die Vereinten Nationen die »Erklärung der Rechte des Kindes«. Es ist die erste große internationale Übereinkunft über die Grundprinzipien von Kinderrechten.

Hippies

Hippies

1960er und 1970er Jahre

In den 1960er Jahren entsteht in den USA die Hippie- Bewegung, die auch in Europa viele Anhänger findet und sich gegen spießbürgerliche Zwänge auflehnt. Im Zuge des Vietnamkriegs wird aus der ursprünglichen Jugend- eine Friedensbewegung, deren Motto »Make love, not war« bis heute vielen ein Begriff ist.

1989

UN-Kinderrechtskonvention

Am 20. November 1989 wird die UN-Kinderrechtskonvention von den Vereinten Nationen verabschiedet. Sie legt verbindlich fest, dass alle Kinder das Recht auf Schutz vor Gewalt, auf Beteiligung, auf Bildung, auf Gesundheit, auf eine eigene Meinung und viele weitere Rechte haben.

Flagge der Vereinten Nationen

1996

Kommunalwahl ab 16 in Niedersachsen

Auf Kommunalebene dürfen Jugendliche nun bereits mit 16 Jahren zur Wahl gehen. Auch in zehn weiteren Ländern wurde seitdem das Wahlrecht für Kommunalwahlen geändert. In Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein können 16- und 17-Jährige auch bei Landtagswahlen mitbestimmen. Sich selbst zur Wahl aufstellen kann man in diesem Alter allerdings in keinem Bundesland.

2000

Gewaltverbot in Erziehung

»Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.« Mit § 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird Gewalt in der Erziehung in Deutschland erstmals vollends verboten.

2010

Rücknahme der Vorbehaltserklärung zur UN-Kinderrechtskonvention

2010 nimmt die Bundesregierung ihre Vorbehaltserklärung gegen die Kinderrechtskonvention zurück: Bisher konnten die Kinderrechte durch das Familien- und Ausländerrecht eingeschränkt und so Kinder von Asylbewerbern etwa beim Zugang zu Schulbildung in Deutschland schlechter gestellt werden.