Familie

Familie wird oft als kleinste Einheit bezeichnet, in der Demokratie gelebt und gelernt wird. Hier werden demokratische Werte vermittelt und Streitpunkte verhandelt, hier gibt es Teilhabe und Zusammenhalt. Die moderne Familie ist heute vor allem durch Partnerschaftlichkeit und soziale Bindungen geprägt. Gleichzeitig sind ihre Erscheinungsformen vielfältiger geworden.

Luthers Familienbild

Luthers Familienbild

Reformation

Die Familie Martin Luthers wird zur Projektionsfläche bürgerlicher Familienkultur. Die Familie gilt als Bildungsinstanz, in der Werte und Normen der Gesellschaft vermittelt werden.

Frühe Neuzeit

„Haushalt“ statt Familie

Die vorindustrielle Familie ist vor allem eine Wirtschaftsgemeinschaft, in der die Mitglieder aufeinander angewiesen sind. Bei der Arbeit hilft jeder, sobald er alt genug ist – in der Regel unterstützen Kinder bereits ab dem siebten Lebensjahr ihre Eltern. Die Frauen verrichten die hausnahen Arbeiten, helfen aber auch bei der Ernte. Körperliche Schwerarbeit ist meist Männersache.

18. Jahrhundert

Protestantische Pfarrersfamilien

Die Aufhebung des Zölibats infolge der Reformation bedeutete den Einzug der Pfarrfrauen bzw. damit auch ganzer Pfarrfamilien in die evangelischen Pfarrhäuser. Dies wäre vorher undenkbar gewesen.

Mit Katharina von Bora gründete Martin Luther die erste protestantische Pfarrersfamilie, die im 18. und 19. Jahrhundert zum Idealbild der bürgerlichen Familie wurde.

19. Jahrhundert

Scharfe Trennung zwischen den Geschlechtern

In der bürgerlichen Kleinfamilie herrscht strikte Trennung: Die Öffentlichkeit ist der Ort des zielstrebigen Mannes, der er den Lebensunterhalt der Familie verdient. Die treu sorgende Frau kümmert sich um Haushalt und Kindererziehung. In der Hierarchie steht der Mann über der Frau, die vom politischen Leben weitestgehend ausgeschlossen ist. In Arbeiterfamilien kann man sich dies nicht leisten. Hier muss auch die Frau zum Lebensunterhalt beitragen. 

»Die Wasch und Bügelstube«, Johann Michael Voltz, um 1835

1900

Familiäre Verhältnisse

In den bürgerlichen Familien geht es um mehr als Gehorsam, man denkt auch an die Entwicklung der Kinder. Gefühle sind allerdings Frauensache. Die Beziehung der Väter zu ihren Söhnen ist in erster Linie von Autorität geprägt, nur selten zeigen Väter ihre Zuneigung zu ihren Kindern, vor allem zu ihren Söhnen. Das Verhältnis ist vor allem durch Respekt und Furcht bestimmt.

1905

1905

1905

Das Familienfoto stammt ca. aus dem Jahr 1905. Es zeigt alle Generationen einer wohlhabenden Familie aus Berlin versammelt vor ihrem Anwesen.

1919 – 1933

Die Ehe als Grundlage des Familienlebens

In Artikel 119, Absatz 1 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 heißt es: »Die Ehe steht als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutz der Verfassung. Sie beruht auf der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter.«

1933 – 1945

Das Idealbild der Familie in der Nazizeit

Die Nazis propagieren ein Familienbild, das die Rolle der aufopfernden und fürsorglichen Mutter idealisiert, kinderreiche Mütter werden vom NS-Regime mit dem Mütterkreuz ausgezeichnet. Jugendorganisationen wie der Bund Deutscher Mädel und die Hitlerjugend dienen der Einflussnahme auf Erziehung und Sozialisation.

1945 – 1949

Familien in der Nachkriegszeit

Zerbombte Städte und seelische Scherbenhaufen – die Familien stehen vor großen Herausforderungen. Die Verwandten helfen sich gegenseitig dabei, Nahrung und Wohnung zu beschaffen. Heimarbeit, Haushalt und Schwarzmarkthandel prägen das Leben der Mütter, die Kinder spielen in den Trümmern. Viele aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrende Väter verlieren – vorübergehend – ihre traditionelle Rolle als Haushaltsvorstand.

Gefährliche Spielplätze für Kinder in der Nachkriegszeit

1953

Erstes Bundesfamilienministerium

In diesem Jahr wird das Bundesfamilienministerium mit Franz-Josef Wuermeling als erstem Familienminister gegründet.

1950er/60er Jahre

Wer betreut die Kinder?

In Westdeutschland ist der Glaube, dass nur eine Mutter weiß, was einem Kind guttut, traditionell deutlich stärker verankert. Das Leitbild der Hausfrau und Mutter gibt vor, das Leben auf Ehe und Kindererziehung auszurichten, der Beruf spielt nur eine Nebenrolle. In der DDR hingegen geht es nicht in erster Linie um weibliche Selbstbestimmung, sondern darum, das Plansoll zu erfüllen. Nahezu alle Kinder besuchen daher ganztags staatliche Krippen, damit möglichst viele Mütter erwerbstätig sein können.

Kinderkrippe unterwegs in Ostberlin, 1959

1977

Kindererziehung

Noch in den 50er und 60er Jahren gelten in vielen Familien Stubenarrest und Schläge als angemessene Erziehungsmethoden: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es!“ Nach Jahren von Drill und Disziplin wird im Zuge der 68er-Bewegung besonders in den Kinderläden des Studentenmilieus die antiautoritäre Erziehung propagiert. Heute orientieren sich viele Eltern am Leitbild der demokratischen Erziehung.

Partnerschaftliche Kindererziehung wird allmählich zum neuen gesellschaftlichen Leitbild.

1998

Gleichstellung ehelicher und nichtehelicher Kinder

Das Kindschaftsrecht wird umfassend reformiert und der Gesetzgeber macht keinen Unterschied mehr zwischen ehelichen und nichtehelichen Kindern. Hinzu kommen Neubestimmungen zum Erbrecht, zum Sorge- und Umgangsrecht sowie zum Unterhaltsrecht.

2001

Vielfalt von Familie

Für die meisten Menschen ist Familie dort, wo Kinder sind. Dies gilt vor allem für verheiratete und unverheiratete heterosexuelle Paare mit Kindern. Daneben akzeptieren vor allem die Jüngeren auch andere Eltern-Kind-Konstellationen wie Stief- und Patchwork-Familien und Alleinerziehende. Homosexuelle Eltern können ihre Beziehung als „eingetragene Lebenspartnerschaft“ an die Ehe angleichen. Unterschiede bestehen vor allem noch im Adoptionsrecht.

2007

Neue Regelung für Elternzeit und Elterngeld

Zum 1. Januar 2007 tritt das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz in Kraft. Es gilt für alle Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren werden. Von jetzt an ersetzt das Elterngeld das entfallene Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils. Es beträgt maximal 1.800 Euro. Gemeinsam haben Eltern einen Anspruch auf 14 Monate Elternzeit. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen.

2012/2014

Spätere und weniger Ehen, trotzdem viele Familien mit Kindern

Fast 50 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit Kindern zusammen. Die meisten Eltern, die mit ihren Kindern zusammenleben, sind verheiratet, in knapp 20 Prozent der Familien leben Mutter oder Vater allein mit den Kindern zusammen. Insgesamt ist die Zahl der Eheschließungen zurückgegangen. Wurden 1965 noch über 620.000 Ehen geschlossen, sind es 2015 nur noch 400.115 Ehen.

Vielfältige Lebensformen

Vielfältige Lebensformen

2014

2013 gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 78.000 Paare, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebten. Homosexuelle Paare können seit dem 1. Oktober 2017 heiraten und Kinder adoptieren.