Ältere Menschen

Ältere Menschen nehmen eine wichtige Rolle ein, wenn es darum geht, ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben. Umgekehrt können auch die Älteren von den Jüngeren lernen. Dieser Austausch hält unsere Gesellschaft lebendig. Für die Stärkung und Weiterentwicklung der Demokratie ist es deshalb unverzichtbar, dass alle Generationen sich aktiv daran beteiligen.

1576

»Großeltern« statt »Ahnherren«

Den Begriff »Großeltern« gab es nicht immer. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts wird meist von »Ahnherr« oder »Ahnfrau« gesprochen, im Süden des Landes sogar noch bis ins 18. Jahrhundert. Auch bezog man sich mit der Bezeichnung nur auf die Abstammung, nicht auf eine emotionale Verbindung, wie sie heute oft zu Großmutter und Großvater besteht.

»Der dreiundneunzigjährige Alte«,
Albrecht Dürer, 1521

16./17. Jahrhundert

Alter als Belastung

Alte und schwache Menschen sind für die Bevölkerung lange Zeit in erster Linie eine Belastung. Denn wer selbst nicht mehr arbeiten kann, ist mittellos und muss auf die Zuwendung von Verwandten oder der sich allmählich herausbildenden Altenfürsorge hoffen.

Portrait eines Greises

Portrait eines Greises

Darstellung eines Greises von Rembrandt um 1630. Wurden die Alten zuvor oft als gesellschaftliche Last betrachtet, wächst im Laufe der Zeit der Respekt vor ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen.

1764

Alter wird Autorität

Im 18. Jahrhundert lernt man das Wissen und die Erfahrung der Älteren allmählich zu schätzen. Die moralische Wochenzeitschrift »Der Greis«, die sich dem Thema Alter widmet, schreibt dazu: »Es wäre in der That gut, wenn man bey Geschäfften so wohl alte als junge Leute brauchte; denn in Absicht auf das Gegenwärtige würde es den Vortheil verschaffen, daß die guten Eigenschaften von beyden Altern wechselweise ihre Fehler verbesserten; in Absicht auf das Zukünftige hätte es den Nutzen, daß die jungen Leute größre Einsicht erlangten, indem die Alten ihre Anführer wären.«

1800 ff.

Rollenwandel

Mit dem bürgerlichen Familienideal entsteht allmählich ein anderes Bild der Rolle von Großeltern im Verhältnis zu Kindern und Enkelkindern. Allerdings geht damit der Verlust von Autorität einher: Besonders der Großvater ist nicht mehr Autoritätsperson gegenüber seinen erwachsenen Kindern, sondern wird zum Märchen vorlesenden Opa; die Großmutter gilt als liebevolle und ausgleichende Seele des Hauses. Bis heute gehört eine gute Beziehung zu den Enkelkindern zum Idealbild von Großelternschaft.

»Gruslige Geschichten«,
Holzstich von Ludwig Richter, 1864

Lebenstreppe

Lebenstreppe

18./19. Jh.

Lebenstreppen stellen den Verlauf des menschlichen Lebens vom Kleinkind bis zum Greis dar. Diese Darstellung stammt von ca. 1840.

1891

Rentenversicherung der Arbeiter

Mit dem Inkrafttreten der Rentenversicherung der Arbeiter (RV) müssen die versicherten Arbeiter und Arbeitgeber je ein Drittel des Beitragssatzes von 1,7 Prozent einbezahlen. Ein Drittel wird aus Steuergeldern finanziert. Konkret heißt das für einen ungelernten Arbeiter, der etwa 80 Mark im Monat verdient, dass er davon 0,45 Mark abgeben muss.

1901

Alzheimer

Als die 51-jährige Auguste Deter in die Frankfurter »Anstalt für Irre und Epileptische« eingeliefert wird, beginnt die Entdeckung der Alzheimererkrankung, benannt nach dem zuständigen Psychiater Alois Alzheimer. Deter verstirbt 1906. Als Alzheimer ihr Gehirn untersucht, findet er abgestorbene Nervenzellen und Eiweißablagerungen.

Alois Alzheimer

DDR

Altersarmut als Norm

Nichtarbeit soll nicht belohnt werden: In der DDR ist Altersarmut die Regel, nicht die Ausnahme. Im Durchschnitt bekommt ein Rentner 1988 weniger als 400 Mark im Monat. Das entspricht nur etwa 30 Prozent des Durchschnittsbruttoeinkommens.

Zwei-Mark-Münze der DDR

Bundesrepublik

Rentenreformen

In der Bundesrepublik hilft die neu eingeführte Umlagefinanzierung auch den Rentnern, am Wohlstand teilzuhaben. 1989 wird die nächste große Rentenreform verabschiedet, die 1992 in allen Bundesländern wirksam wird. Unter anderem sieht sie eine Anhebung des Rentenalters auf 65 Jahre vor. Seit 2012 erfolgt die stufenweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre: Je später der Geburtsjahrgang, desto höher das Renteneintrittsalter.

Weiterbildung gehört für viele Seniorinnen und Senioren dazu.

Selbstbestimmtes Wohnen

Selbstbestimmtes Wohnen

Zur Lebensqualität gehört es heute dazu selbstbestimmt leben und wohnen zu können, am Liebsten in der vertrauten Umgebung. Dabei werden die Formen immer vielfältiger: Senioren-Gemeinschaften unter einem Dach oder in der Nachbarschaft, mehrere Generationen in einem Zuhause oder „Wohnen gegen Hilfe“. Das stärkt die sozialen Netzwerke in der Nachbarschaft und fördert die gegenseitige Unterstützung zwischen Jung und Alt.

2013 – 2015

Engagement im Alter

Was heißt schon alt!? Die 65- bis 85-Jährigen nutzen diesen Lebensabschnitt, um Zeit mit lieben Menschen zu verbringen und um aktiv zu sein. Das bürgerschaftliche Engagement ist groß: Rund 45 Prozent der 60 bis 69-Jährigen sind laut Deutschem Freiwilligensurvey freiwillig engagiert, bei den über 70-Jährigen sind es immerhin noch 31,3 Prozent. Besonders der Einsatz im sozialen Bereich, also beispielsweise in Wohlfahrtsverbänden, Hilfsorganisationen oder Nachbarschaftsvereinen, ist beliebt.

Viele ältere Menschen bleiben bis ins hohe Alter aktiv.